Polizeigroßeinsatz in der Neuen Messe Leipzig (25.09.2015)

Polizeigroßeinsatz in der EAE Messe Halle 4

Gestern begann für alle Muslime das höchste Fest im Jahr. Das Opferfest. Es wird zum Höhepunkt des Haddsch gefeiert. Auch die Muslime aus der provisorischen Flüchtlingsunterkunft in der Messe Halle 4 in Leipzig hatten gestern den islamischen Feiertag begangen.

Verletztenversorgung Neue Messe Leipzig
Verletztenversorgung Neue Messe Leipzig
Quelle: Facebook
Laut Polizeisprecherin Katharina Geyer kam es in den Abendstunden zu Spannungen in der übervollen Messe Halle 4, die am Ende in einer Schlägerei zwischen ca 100 Personen endete. Beteiligt waren vor allem Syrer und Afghanen. Der Parkplatz des McDonald’s wurde zur Ersthilfe gesperrt. Die Hintergründe des Gewaltausbruch sind noch nicht bekannt. Auf Grund der hohen Belegung, der fehlenden Rückzugsräume sowie der schleppenden Bearbeitung sei die Spannung schon seit Tagen angespannt, so DRK-Koordinator Reiko Pöschl. Nach Aussage der Landesdirektion Sachsen ist noch keiner der ca. 1.800 Flüchtlinge registriert. Dies ist aktuell nur in Chemnitz möglich. Eine Außenstelle für Leipzig lässt weiter auf sich warten.

Ein Teil der Afghanen verbrachte den Rest der Nacht dann im Freien, in einem Protestcamp, welches am Mittwoch wegen der Zustände in der Messehalle durch ca. 100 Asylsuchende eingerichtet wurde.

Bilder aus der Messehalle 4

Fotos: refugee-support le halle4

Offizielle Pressemitteilung der Polizei

Landfriedensbruch in der Asylunterkunft Neue Messe

OrtLeipzig, OT Seehausen, Messe-Allee
ZeitMeldung an die Polizei: 24.09.2015, 21:20 Uhr
Gestern Abend erhielt die Polizei um 21:20 Uhr einen Anruf, in dem mitgeteilt wurde, dass es in der Messehalle 4 – einer derzeitigen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber – eine Schlägerei mit ca. 100 Beteiligten geben solle. Die Personen hätten sich mit Latten, Tischbeinen, Bettgestellen und Ästen bewaffnet und würden aufeinander losgehen.

Nach dieser Ausgangsmeldung organisierte die Polizeidirektion Leipzig ein sofortiges fokussieren sämtlicher vorhandener Kräfte. Hierbei wurden sowohl die Kollegen der Stadt Leipzig als auch Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei hinzugezogen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Einsatz des laufenden Fußballspiels an der Arena befanden.

Nachdem sich die Polizei in der Messehalle ein Bild der Lage gemacht hatte, wobei auch die beiden rivalisierenden Lager voneinander getrennt wurden, stellte sich folgendes Bild dar: Ausgang aller Streitigkeiten soll die Bedrohung eines 11-jährigen syrischen Mädchens durch einen 17-jährigen afghanischen Staatsangehörigen gewesen sein, der dabei ein Messer in der Hand gehalten habe. Das Mädchen soll vor diesem Konflikt geflohen sein und ihren Onkel verständigt haben. Der wiederum habe sich aufgebracht dem 17-Jährigen genähert, um ihn zur Rede zu stellen. In der weiteren Folge entstand daraus eine Rangelei, in der auch ein afghanisches Mädchen getreten wurde. Allein dieser Konflikt sorgte dafür, dass letzten Endes bis zu 200 Personen (syrische und afghanische Staatsangehörige) mit Gewalt und unter Verwendung diverser Schlagwerkzeuge gegeneinander agierten.

Während dieser Auseinandersetzung gingen Beteiligte der gewalttätigen Auseinandersetzung auch gegen das in der Messehalle anwesende Wachpersonal und die dort unterstützend tätigen Bundeswehr-Soldaten vor. Diese wurden durch die Angriffe zum Glück nicht verletzt. Zwei Mitarbeiterinnen des DRK, die vor Angst vor der aufgebrachten Menge flüchteten, befinden sich derzeit jedoch in ärztlicher Behandlung. Eine der Frauen (27) stürzte bei der Flucht und brach sich dabei die Kniescheibe, die zweite Frau erlitt einen Schock – beide Mitarbeiterinnen sind derzeit dienstunfähig.

Gegen 23:45 Uhr konnte die Polizei eine Reduzierung der Kräfte vor Ort durchführen lassen, wonach jedoch auch einige Kollegen zur Absicherung an der Messehalle verblieben.

Im Zuge der Ermittlungen vor Ort wurden sechs afghanische Staatsangehörige durch die Polizei in Präventivgewahrsam genommen, um so die eingetretene erhebliche Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu beseitigen und weitere Auseinandersetzungen zu verhindern. Unter diesen in Gewahrsam genommenen Personen befand sich auch der 17-Jährige, der als Ausgangsperson des Sachverhaltes galt. Gegen die sechs Personen wird nun wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt. Weiterhin geht die Polizei einer Anzeige wegen Nötigung mit dem Messer gegen das 11-jährige Mädchen nach. Dazu kommen eine Anzeige wegen Körperverletzung, eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil eines afghanischen Staatsangehörigen durch vier bisher unbekannte syrische Staatsangehörige und eine Anzeige wegen Diebstahls eines Handys.

Bis jetzt ist noch nicht konkret bekannt, wie viele Personen insgesamt während der Auseinandersetzung verletzt worden sind. Die Ermittlungen dauern an. (KG)

Polizeidirektion Leipzig
Pressestelle
Uwe Voigt / Katharina Geyer
Dimitroffstr. 1
04107 Leipzig

+49 341 966-42627
presse.pd-l@polizei.sachsen.de

Stellungnahme der Landesdirektion Sachsen

Sicherheit der Halle 4 in Leipzig wird deutlich verbessert

In Auswertung der Ereignisse der letzten Nacht in Halle 4 haben heute die Landesdirektion Sachsen und das Deutsche Rote Kreuz reagiert. Das Sicherheitskonzept wurde überprüft und im Ergebnis eine Reihe von Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit beschlossen. Dies erfolgte in Abstimmung mit der Leipziger Messe.

Zu den beschlossenen Maßnahmen zählt, dass ein erfahrener Campleiter eingesetzt wird und der Aufgabenbereich des Wachschutzes im Camp deutlich erweitert wird. Zudem soll die Polizeipräsenz erhöht werden. Die Polizei prüft die Einrichtung einer Sicherheitszone um die Halle 4. Daneben wird das Sicherheitskonzept für die Unterbringungseinrichtung insgesamt überprüft. Ziel ist unter anderem eine engere Verzahnung der Arbeit von DRK und dem eingesetzten Wachschutz.

Neben verstärktem Einsatz von Sicherheitspersonal soll künftig durch verbesserte, dem gegenseitigen Miteinander der verschiedenen Ethnien dienende, Kommunikation durch die Betreuer vor Ort die Sicherheit der Asylsuchenden in der Halle verbessert werden.

Rückfragen an Pressesprecher Dr. Holm Felber: presse@lds.sachsen.de

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Der Polizeiticker Wiederitzsch veröffentlicht Pressemeldungen der Polizeidirektion Leipzig (Dimitroffstr. 1, 04107 Leipzig), der Bereitschaftspolizei Leipzig (Dübener Landstraße 4, 04127 Leipzig).

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