Wiederitzsch bekommt Flüchtlingsunterkunft in der Martinshöhe

Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Hotel Days Inn in der Seehausener Straße wurde im Herbst 2022 ohne großen Aufschrei der Wiederitzscher hingenommen. Das Verständnis für die Notwendigkeit der Unterbringung von geflüchteten Menschen war groß und bei nur 48 Plätzen gab es wenig Grund zur Aufregung. Auch wenn der Standort (direkt neben der Schule) einige Eltern beunruhigte.

Aber schon im Herbst 2022 wurde beklagt, wie schlecht die Kommunikation der Stadt Leipzig in solchen Fragen sei. Und wenn ich gerade nach Lindenthal schaue, wo jeden Montag besorgte Bürger gegen 30 Plätze für Asylbewerber demonstrieren, frage ich mich, warum die Kommunikation der Stadt mit ihren Bürgern nicht besser wird.

asylunterkunft wiederitzsch martinshoehe
© Stadt Leipzig, Amt für Geoinformation und Bodenordnung | Esri, HERE, Garmin, USGS
Screenshot zu Dokumentationszwecken

Worum geht es?

Heute wurde im Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig eine Beschlussvorlage aus dem Dezernat Soziales, Gesundheit und Vielfalt veröffentlicht, die bereits die Dienstberatung des OBM durchlaufen hat.

Im Jahr 2028 soll an der Ecke Südtangente/Martinshöhe eine Asylunterkunft für 108 Asylsuchende entstehen. Derzeit ist die genehmigungsreife Planung bis 06/2025 mit Kosten von ca. 1.200.000 Euro geplant.

Es sollen drei zweigeschossige Wohngebäude errichtet werden. Die konkrete Struktur und Gestaltung der Gebäude wird im Rahmen des Vergabeverfahrens und der weiteren Planung festgelegt. Die Planung soll bis Juni 2025 abgeschlossen sein. Nach Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen sollen die Arbeiten auf dem Gelände in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen und Mitte 2028 abgeschlossen sein.

Der Standort

Auszug rechtskräftiger Bebauungsplan "Mischgebiet Martinshöhe"
Auszug rechtskräftiger Bebauungsplan „Mischgebiet Martinshöhe“
Screenshot zu Dokumentationszwecken

Das Grundstück befindet sich im Eigentum der Stadt Leipzig und hat eine Größe von 4.793 m². Das Grundstück liegt im Geltungsbereich des B-Plans 133 „Mischgebiet Martinshöhe“ und ist als Gemeinbedarfsfläche u.a. für soziale Zwecke ausgewiesen. Im Jahr 2022 wurde auf dem Grundstück durch die kommunalen Wasserwerke eine Regenwasserbehandlungsanlage errichtet. Als artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme wurde angrenzend ein gesetzlich geschütztes Biotop angelegt.

Da derzeit noch keine Planungsunterlagen für die Bebauung vorliegen, kann noch keine Aussage zur Einbindung des Gebäudes in die Regenwasserbehandlungsanlage und das geschützte Biotop getroffen werden.

Notwendige Transparenz und Vertrauen

Projekte mit dieser aktuellen sozialen Sprengkraft im Ratsinformationssystem zu „verstecken“, ohne hier eine aktive Kommunikation mit den Anwohnern zu planen, kann nur schief gehen! Das aufgeheizte soziale Klima verträgt diese Form des unkommentierten Verwaltungshandelns nicht. Lindenthal und Stötteritz zeigen dies aktuell sehr deutlich.

Die Stadt Leipzig sollte schnellstmöglich, über die reine Verwaltungsinformation an den Ortschaftsrat hinaus, auf die Bewohner zugehen und die Planungen für die Asylbewerberunterkunft erläutern und frühzeitig kommunizieren. Ebenso wichtig ist es, dass die Stadt das spätere Betreuungskonzept für die Asylbewerberunterkunft vorstellt. Das würde den Bürgern zeigen, dass die Verantwortlichen gut vorbereitet sind und sich um das Wohl aller Beteiligten kümmern. Dinge, die ich derzeit in Lindenthal nicht sehe. Ganz im Gegenteil. Hier verstrickt sich die Stadt Leipzig immer wieder in Widersprüche. Aber mit Transparenz und Dialog kann man Vertrauen schaffen und möglichen Konflikten vorbeugen.

Ein zentrales Anliegen der Bürger ist die konkrete Frage, wie die Integration der Asylbewerber in die Gesellschaft gelingt. Hier sollte die Stadt gezielte Maßnahmen ergreifen, um die Zusammenarbeit und das Zusammenleben von Einheimischen und Asylbewerbern zu fördern.

Unterbringung ist Pflichtaufgabe der Stadt Leipzig

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Zuflucht vor Krieg und Verfolgung suchen, ist seit dem vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Ihre Unterbringung ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen und Landkreise. Auch Leipzig hat in den vergangenen Monaten wieder mehr Flüchtlinge aufgenommen. Inzwischen sind fast alle Plätze in den bestehenden Gemeinschaftsunterkünften belegt. Das Sozialamt sucht im gesamten Stadtgebiet nach geeigneten Wohnungen und Grundstücken. Vorübergehend erfolgt die Unterbringung auch in kurzfristig hergerichteten Notunterkünften. Langfristig ist der Neubau von Gemeinschaftsunterkünften erforderlich, um eine angemessene Unterbringung der geflüchteten Menschen zu gewährleisten.

Über Thomas Wagner 608 Artikel
Thomas Wagner ist der Gründer des Stadtteilmagazin "Wiederitzsch im Blick" und Ansprechpartner für alle Belange rund um dieses Magazin.

9 Kommentare

  1. Hallo

    Kann man sich gar nicht vorstellen, aber wer weiß was bis 2028 passiert.
    Letztes Jahr erst wurde dort der Bau eine Regenwasserbehandlungsanlage fertig gestellt.

  2. Hallo,und wo soll dann noch gebaut werden, wenn die Regenwasserbehandlungsanlage bestehen bleiben soll??

  3. Hallo Herr Wagner,

    Sie können meinen Beitrag gern löschen, er ist zwar keine Hetze gegen Ausländer und Flüchtlinge, aber ich wollte jetzt eigentlich auch keine Grundsatzdiskussion beginnen (was mein Beitrag aber wohl geworden ist). Ich bin nur empört über die Informationspolitik der Stadt und fühle mich als Bürger bei solchen wichtigen Themen nicht mitgenommen!!!

  4. Das sieht man doch in dem eingefügten Bild. Die Fläche für eine Bebauung ist im Bebauungsplan vorgesehen.

  5. Mit dem Vorhaben bin ich nicht so begeistert, aber ich danke der sachlichen und ausführlichen Information. Die Mundpropaganda führt leider zu falschen Informationen.

  6. Noch am Dienstag, dem 14.03. 2023, so um 20:00 Uhr, wurden die Mitglieder des Ortschaftsrates unter vorherigem Ausschluss der Öffentlichkeit in ihrer regulären Sitzung über das Vorhaben informiert. Warum man solch eine Geheimniskrämerei macht, wenn schon am nächsten Tag alles öffentlich nachzulesen ist, erschließt sich mir nicht. Viele haben es so aus der Zeitung und einem Radiosender erfahren. Die Verärgerung darüber war entsprechend groß. Unklar bleibt auch, warum man glaubt, für 2028 immer noch zusätzliche Unterkünfte zu benötigen. Ich weiß nicht so recht, ob ich jetzt rausfliege bei Ihnen Herr Wagner, aber die Stimmung ist eher sehr angespannt.
    Halten zu Gnaden.
    Steffen Rascher

  7. Und jetzt wäre es doch genau Ihre Aufgabe als Ortschaftsrat, da nachzuhaken.

    Wobei. Schon im Januar wurde der Termin angekündigt. Informationen zur Unterbringung von Geflüchteten werden regelmäßig in der Stadtverwaltung in den Fachgremien besprochen (wo ihre Kollegen der AfD regelmäßig vermisst werden).

    Ja. Die Kommunikation der Stadt ist schlecht. Aber auch von Ihnen, als informierter Ortschaftsrat, kam nichts.

    Das ich sowas wie das ALLRIS auswerte, ist selbstverständlich. Somit konnten die Bürger es bei mir zu erst lesen. Noch vor der Nachricht auf leipzig.de

  8. Heute wurde in der Stadtratssitzung über die weitere Planung der Asylunterkunft abgestimmt. Nach einem durchaus agressiven und völlig überspitzten Redebeitrag von O. Gebhardt (die Linke) wurde mehrheitlich dafür gestimmt.

    Anwesende: 47
    abgegebene Stimmen: 43

    Dafür: 34
    Dagegen: 9 (alle AfD)
    Stimmenthaltung: 4 (2x Die Linke, 1x Grüne, 1x CDU)

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