Wegsperren im Bereich der „Pippi-Langstrumpf-Siedlung“

Frieden am Zaun?

Durch Anwohner der „Pippi-Langstrumpf-Siedlung“ in Leipzig Wiederitzsch wurde ich auf die Beton- und Erdwallsperren hingewiesen, die den Zutritt zum Feld verhindern sollen. Viele der Anwohner waren bezüglich der Sperren verwundert, da sie den Feldrand bisher als Weg genutzt haben um zu joggen und ihren Hunde auszuführen. Durch diese Sperren ist dies nun nicht mehr möglich.

Seitens der Bewohner wurde natürlich die Verärgerung über die hässlichen Sperren geäußert. Auch die Frage der Rechtmäßigkeit wurde gestellt. Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich mich mit dem zuständigen Landwirt, dem Ortschaftsrat und der Stadt Leipzig in Verbindung gesetzt.

Durch Herrn Behrendt von der Radefelder Pflanzenproduktion GmbH & Co.KG erhielt ich umfassende Auskunft zu den Sperren.

Was war der Auslöser für diese Wegsperren?

Der aktuelle Auslöser für die Radefelder Pflanzenproduktion GmbH & Co.KG waren die Anpflanzungsschäden auf der bestellten Fläche. Innerhalb kürzester Zeit waren nach jeder Bestellung des Feldes im Randbereich, aber auch quer durch das Feld, Trampelpfade durch die Anwohner angelegt. Diese wurden für Spaziergänge, zum joggen, aber auch zum Ausführen der Hunde genutzt.

Hier muss folgendes festgestellt werden:

Jede Person darf grundsätzlich Wald und die offene Landschaft zu Erholungszwecken auch außerhalb der Wege betreten.

Das freie Betretungsrecht unterliegt jedoch einigen Einschränkungen.

Das Betreten von bestellten Äckern bis zum Abschluss der Ernte ist nicht gestattet.

Diese Dinge sind eindeutig im Landesnaturschutzgesetz geregelt und bedürfen keiner zusätzlichen Ausschilderung und Absperrung.

Für das Betreten von bestellten Flächen kann eine Geldbuße bis zu 5.000 Eur fällig werden!

Wer vorsätzlich oder fahrlässig ein bestelltes Feld vor der Aberntung oder ein Feld, eine Wiese oder Weide entgegen einem ausdrücklichen Verbot der berechtigten Person betritt,
befährt oder sich auf deren Anordnung nicht entfernt, handelt ordnungswidrig und kann mit einer Geldbuße bis zu 5.000 € belegt werden.

(§ 57 Abs. 2 Nr. 1 LNatSchG)

Somit ist ganz klar festzustellen, dass das Betreten des Felders während des Pflanzzeitraumes durch die Anwohner ein Gesetzesverstoß ist. Seitens Herrn Behrendt wurde auch mitgeteilt, dass die direkte Ansprache der Jogger, Gassigeher und Spaziergänger keine Wirkung zeigte.

Muss das Feld eingezäunt werden?

Nein. Eine Einzäunung von Feldern ist nicht notwendig, da das Betreten gesetzlich geregelt ist. Trotz allem wurde eine Einzäunung teilweise durchgeführt. Diese war aber nach kurzer Zeit wieder entfernt oder so beschädigt, dass die Wirkung als Sperre nicht mehr gegeben war.

Entstehen dem Landwirt durch die Trampelpfade Schäden?

Laut Aussage Herrn Behrendts von der Radefelder Pflanzenproduktion GmbH & Co.KG entstehen durch die Einwohner und das Begehen der Fläche während der Pflanzzeit Schäden in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Wie kommt es dazu?

Herr Behrendt erklärt: „Nach jeder neuen Bestellung unsererseits ist jeweils innerhalb einer Woche ein Trampelpfad bis 1 m Breite angelegt. Die größten Schäden aber werden angerichtet, wenn die Leute diese Trampelpfade verlassen.

Die Hunde werden von der Leine gelassen und richten dabei riesige Schäden an. „Die paar Spuren“ bekomme ich zur Antwort, wenn ich mal jemand zur Rede stelle. Viele Pflanzenschutzmittel wirken als Film. Dieser wird aber mit jedem Pfoten- bzw. Schuhabdruck zerstört. Dort wachsen dann Unkräuter.

Diese wiederum treten als Nahrungskonkurrenten der Kulturpflanzen auf. Weit schwerwiegender jedoch sind die Tatsachen, dass die Unkräuter die Ernte erschweren, die Feuchtigkeit des Erntegutes erhöhen und zu Besatz des Erntegutes führe, was natürlich finanzielle Einbußen nach sich zieht.“

Auch der freilaufende Hund ist gefährdet!

Durch das Freilaufen der Hunde durch die gespritzten Felder gefährden die Hundebesitzer aber auch ihre eigenen Hunde!

Die Hunde trinken aus Pfützen, fressen Gras oder lecken sich das Fell, welches mit Pflanzenschutzmittel in Kontakt gekommen ist. Die Anzeichen für eine Vergiftung sind so vielfältig wie die Ursachen. Meist kommen die Symptome sehr schnell, die Hunde können erbrechen, haben oft vermehrten Speichelfluss, und oder starke Magenkrämpfe. Vergiftungserscheinungen zeigen sich auch in Form von Durchfall. Zum Teil sind die Hunde sehr apathisch und können unter Atemnot leiden. Zuerst wird das Fressen meisten eingestellt und am nächsten Tag beginnt es mit Erbrechen und Durchfall.

Beachten sie das Betretungsverbot der landwirtschaftlichen Nutzfläche während der Pflanzzeit auch im Interesse ihrer Tiere.

Wie reagieren die örtlichen Behörden

Hier warte ich noch immer auf die Auskunft in wie weit seitens der öffentlichen Behörden eine Absperrung von der öffentlich zugänglichen Seite der angrenzenden Wege in Erwägung gezogen wird. Für die Absicherung des aufgeschobenen Erdwalls zum Schutz der spielenden Kinder auf dem angrenzenden Spielplatz sieht sich Radefelder Pflanzenproduktion GmbH & Co.KG nicht zuständig und verweist auf den Betreiber des Spielplatz (Dezernat Umwelt/Ordnung/Sport) und auf die Aufsichtspflicht der Eltern.

Und wie geht es nun weiter

Hierzu kann ich aktuell nichts sagen. Die Sicherungsmaßnahmen durch die Radefelder Pflanzenproduktion GmbH & Co.KG sind jetzt gestellt.

Hier kann nur an die Wiederitzscher appelliert werden, das Eigentum der Landwirte zu respektieren und die Felder während der Pflanzzeit nicht zu betreten. Vielleicht lässt sich ja Herr Behrendt auf einen Trampelpfad für Jogger und Spaziergänger rund um das Feld ein, wenn die Hunde an der Leine bleiben?

Seid ihr davon betroffen? Ist Euch die Spazier- oder Joggingrunde abhanden gekommen? Wurdet ihr schon angesprochen als ihr über die Felder gelaufen seid? Ich freue mich auf Eure Meinungen und Kommentare.

Über Thomas Wagner 466 Artikel
Thomas Wagner ist der Gründer des Stadtteilmagazin "Wiederitzsch im Blick" und Ansprechpartner für alle Belange rund um dieses Magazin.

8 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung.
    Ich, als nicht Hundebesitzer verstehe beide Seiten.
    Natürlich würde ich mir wünschen dass die große Spazierrunde erhalten geblieben wäre, bei dem Ausmaß welches es allerdings derzeit angenommen hat verstehe ich die Schutzmaßnahmen des Bauers auf jeden Fall. Die extrem schnell gewachsenen Neubausiedlungen haben derart viele Tierliebhaber auf den Plan gerufen dass es nur eine Frage der Zeit war bis dieser sich zu wehren versucht. Noch dazu die unrechtmäßigen Ablagerungen an den Rändern!! Es ist nun mal ein fremdes Grundstück auf dem sich einige nicht zu benehmen wissen.
    Schade nur dass nun die Straßen stärker frequentiert werden und wir wieder mit massig vielen Hundehaufen vor unseren Haustüren kämpfen müssen.

  2. 1. beginnt der Privatbesitz der Firma direkt am Wegeende? die Sperren dürfen nur auf dem Privatgelaende aufgebaut sein.
    2. Die Ertraegseinbussen durch die Trampelpfade/Joggingwege könnte man der Firma ersetzen. Da Spenden sicher einige gern.
    3. Hunde sind immer ein Problem, eine fehlende Lagerstaette für Gruenabfalle (kommunale Kompostanlage) ebenfalls. beides führt zu einer spürbaren Beeinträchtigung der an das Feld angrenzenden Flächen. Da ist die Gemeindeverwaltung gefragt.

  3. Was sagt denn Herr Behrendt zur Ernte, wieviele Anwohner nach einem 24-stündigen Erntemarathon den Rest der Woche mit der Reinigung ihrer Häuser verbringen.

  4. Jetzt haben die Bauern den Grünstreifen beiderseits des Lindenthaler Wassers zu Ackerland umgepflügt. Das war ein schöner Auslauf für die Hunde gewesen. Jetzt müssen wir wieder über das Feld laufen, ist das so gewollt?

    • Wie im Artikel ausgeführt, bestimmt der Eigentümer über die Verwendung. Und wenn die Landwirte die Notwendigkeit zum Pflügen und zur wirtschaftlichen Nutzung sehen, sind diese vollkommen im Recht.

      Die Risiken für ihr Tier sind im Artikel auch erwähnt.

  5. ja . . . der Grünstreifen ist weg . . .

    WELCH NATURKATASTROPHE

    Am Lindenthaler Wasser und der Nördlichen Rietzschke ist Überschwemmungsgebiet. Durch die landwirtschaftliche Nutzung werden die Erträge sinken. . . und nicht nur deswegen. Die Milchmädchenrechnung des Bauern wird nicht aufgehen.

    Außerdem ist hier der Naturschutz gefragt. Wieviele Tiere, Nester, Baue . . . wurden durch das Umpflügen zerstört. Tiere getötet. Hier handelte es sich um jahrelang gewachsene Ökolanschaft. . . Nun ist eine Monokultur entstanden!!!
    Und in erster Linie werden dadurch unsere Bäche zerstört. Es muß einen Schutzstreifen geben von mindestens 10 Metern, besser 20 Metern geben. Diese hat die bäuerliche Genossenschaft nicht umsonst freiwillig eingehalten. Über viele Jahre. Wir sind hier alle betroffen und müssen uns durch die übermäßige Verschmutzung und Verseuchung und Zerstörung des bißchen Lebens in der Rietzschke und im Lindenthaler Wasser zur Wehr setzen! Subventionen für die Zerstörung unserer Natur durch Dünger und Pestizide und Insektizide dirket vom Acker in die Bäche. Oh wie schön sind da ein paar Trampelpfade und eine paar Hundehaufen.

    Es gibt ganz sicher gesetzliche Auflagen für die Bauern zum Schutz der Uferzonen . . .!!!
    Anlieger dürfen nicht einmal einen Komposthaufen an Nebenarmen errichten.

    Wer kennt sich im Gesetzesdschungel damit aus?

    • Die zuständige Ordnungsbehörde ist hier das Stadtplanungsamt Planungsabteilung Nord/ Ost, Herrn Hausmann. Dieser kann zur aktuellen Nutzungssituation sowie den Regulierungsmöglichkeiten Auskunft geben.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*