Der ZOLL kommt nach Wiederitzsch

Der Bundestag hat in der aktuellen Haushaltsdebatte den Plänen zugestimmt, dass ab August 2019 eine Ausbildungsstätte des ZOLL nach Leipzig-Wiederitzsch in das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus kommt.

Bundeswehrkrankenhaus Leipzig Wiederitzsch
Bundeswehrkrankenhaus Leipzig Wiederitzsch

Der Leipziger Abgeordnete Jens Lehman (CDU) hat dies vor kurzem auf seinem Facebookprofil und seiner Website veröffentlicht. 

Tatsächlich hat sich der Verkauf des ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus aus der Insolvenzmasse der Golden Gate GmbH als Glücksgriff gezeigt.  Auch wenn ein Immobilienentwickler aus der Region kein Garant ist, dass so ein Objekt nach vielen Jahren – in dieser Größenordnung – schnell  vermietet wird, hat es hier funktioniert.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) wurde im Juni 2018, bei ihrer Suche nach einem Mietobjekt für eine kurz- bis mittelfristige Miete für den Zoll,  auf das Objekt aufmerksam und es wurde in das Erkundungsverfahren als möglicher Standort für eine Aus- und Fortbildung der Zollverwaltung aufgenommen.

Dies wurde Wiederitzsch im Blick schon im August durch die Generalzolldirektion bestätigt.

Nachgefragt.

Ich konnte mit Rupert Doehner (Geschäftsführer Golden Gate Leipzig GmbH) über das Objekt in der Bahnhofsstraße in Wiederitzsch sprechen.

Herr Doehner bestätigt gegen über Wiederitzsch im Blick, dass eine langfristiger Mietvertrag geschlossen wurde. Dieser Vertrag umfasst das komplette ehemalige Bettenhaus sowie ein Großteil der sonstigen noch freien Flächen. Die Nutzung des Objekts durch den ZOLL beginnt im August 2019. Bis dahin wird es zu Umbaumaßnahmen kommen, da die alten Behandlungsräume in Schulungsräume und die Krankenzimmer in Wohnräume umgestaltet werden.

Die bis zu 400 ZOLL-Beamte (Zollanwärter und Ausbilder) sind von Montag-Freitag im Objekt. Somit ist eine Teilhabe am Wiederitzscher Alltag möglich und wahrscheinlich.

(Die aktuellen Baumaßnahmen im Objekt sind Umbauten für 2 andere privatwirtschaftliche Mieter. Damit ist das Objekt dann voll vermietet.)

Die Buslinie 87 wird durch den ZOLL noch wichtiger

Und hier kann dieser Mietvertrag nochmal ein zweiter Glücksgriff sein, denn er erhöht den Druck auf das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) der Stadt Leipzig und die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB)!

Die Linie 87 mit der aktuellen Stundentaktung und ihre Anbindung an die Straßenbahnen 4 und 16 sowie eine sinnvolle Anbindung an Ziele wie den Sachsenpark noch relvanter. Hier müssen jetzt Lösungen her!

Mit der IG Wiederitzsch konnte ich schon nach der letzten Ortschaftstratsitzung zu diesem Thema sowohl mit Herr Middelberg, als auch Herr Westphal von der LVB über dieses Thema sprechen. Aktuell wurden im Nachgang der Diskussionsrunde im Ortschaftsrat 2 Varianten in direktem Gespräch vorgestellt.

Variante 1: Entwicklung einer neuen Linie, die von Gohlis aus die Endstelle 4 im 30 Minuten Takt bis zur S-Bahn-Station „Leipziger Messe“ anfährt. Diese würde durch die Bahnhofsstraße fahren. Die Linie 87 bleibt dabei erhalten und die Route ändert sich, indem die Bahnhofsstraße zu Gunsten der Martinshöhe ausgelassen wird.

Variante 2: Pilotprojekt eines „ride pooling“. Dies umfasst den Einsatz von bis zu 3 Kleinbussen, die per App oder Telefon gerufen werden können und dann, ähnlich einem Sammeltaxi, direkt vor der Haustür landen. Da diese Idee vom BUND gefördert wird und die LVB hier schon einen Förderantrag gestellt hat, wird diese Lösung bevorzugt.

Politische Attraktivität und Brisanz

Immer wieder hört man aus den politischen Etagen, dass Sachsen zu wenige Bundesbehörden hat und hier noch offene Versprechen zu halten sind.

Grundsätzlich ist jeder neue Standort beziehungsweise jede neue Außenstelle einer Bundesbehörde denkbar“, erklärt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gegenüber der LVZ und verweist auf einen immer noch gültigen Beschluss des Bundestages von 1992.

In diesem Beschluss wurde festgelegt, dass neue Bundeseinrichtungen in den neuen Ländern anzusiedeln sind, bis eine annähernd ausgewogene Verteilung in Ost und West erreicht ist.

Bislang liegt der Osten bei Bundes- und Forschungseinrichtungen weit hinter dem Westen. Von 217 Institutionen haben 194 ihren Hauptstandort im Westen (89,4 Prozent), nur 23 im Osten (10,6 Prozent). In Thüringen sind ganze zwei Bundeseinrichtungen beheimatet, in Sachsen fünf.

Mit der Zentrale des Fernstraßenbundesamts (ab 2021 sollen tausend Mitarbeiter in der Behörde arbeiten) und der Ausbildungsstätte des ZOLL hat sich Leipzig jetzt 2 Bundesbehörden gesichert!

Mit Stadtrat Lehmann konnte ich diese Thema nach der Pressemitteilung besprechen und wir verdanken es viel politischer Kommunikation unserer Stadtabgeordneten, dass aus einem kurzfristigen Mietinteresse jetzt ein langfristiger Mietvertrag entstanden ist. Hier konnte sich Leipzig-Wiederitzsch gegen mehrere anderen Alternativen (auch gleich um die Ecke in Sachsen-Anhalt) durchsetzen. 

Warum gerade der ZOLL?

Aktuell fehlen bundesweit beim Zoll rund 3.500 Stellen. In allen Bereichen der 40.000 Mitarbeiter starken Bundesbehörde fehlt Personal. Im Rahmen der stetig erweiterten Aufgaben, muss der ZOLL mehr Ausbilden und Personal einstellen. Dazu benötigt der ZOLL auch neue Ausbildungsstätten. 

Wie geht es weiter?

Herr Doehner kündigte an, dass es, für alle interessierten Wiederitzscher, im nächsten Jahr einen Tag der offen Tür geben wird, wo sich der ZOLL als künftiger Ankermieter vorstellen wird.

Ich selber werde mich mit der IG Wiederitzsch und dem Stadtrat Jens Lehmann im Januar zu einem Arbeitsgespräch treffen um die aktuellen Konzeptideen für die neuen Anforderungen an die ÖPNV-Anbindung des Leipziger Norden diskutieren.

Warum, Wieso, Weshalb. Hier sind alle Informationen rund um das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus in Wiederitzsch!

ehemaliges Bundeswehrkrankenhaus Wiederitzsch

Alle Informationen in chronologischer Reihenfolge finden Sie hier.

Über Thomas Wagner 445 Artikel
Thomas Wagner ist der Gründer des Stadtteilmagazin "Wiederitzsch im Blick" und Ansprechpartner für alle Belange rund um dieses Magazin.

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